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Journal

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  Bert Hellinger: Zustimmung zur Welt, wie sie erscheint

Diese Ruhe kommt wie die Wahrnehmung aus der Zustimmung zur Welt, wie sie erscheint, also ohne die Absicht, sie zu verändern. Das ist im Grunde eine religiöse Haltung, weil sie sich einfügt in ein größeres Ganzes, ohne sich herauszunehmen, es besser zu wissen, oder einen besseren Ausgang erreichen zu können, als ihn die tiefen Kräfte von sich aus ansteuern. Deswegen ist für mich die Grundhaltung, daß ich allem zustimme, wie es ist. Wenn ich etwas Schönes sehe, dann ist es für mich Teil der Welt, der ich zustimme. Wenn ich etwas Schlimmes sehe, stimme ich auch zu. Sowohl als auch. Das ist es, was ich Demut nenne: die Zustimmung zur Welt, so wie sie erscheint. Erst diese Zustimmung, ermöglicht es mir, genau wahrzunehmen. Sonst werde ich durch meine Absichten oder meine Ideologien an der Wahrnehmung gehindert.

Noch etwas ist dabei zu beachten, nämlich daß die Ordnung sich nicht deutlich zeigt, sondern von Augenblick zu Augenblick anders erscheint. In ihr ist etwas Vielfältiges, eine Fülle. Sie kommt nur punktuell ans Licht. Deswegen ist die eine Familienaufstellung anders, als die andere, obwohl sie sich vielleicht von der Grundsituation her ähnlich sind. Was ich nun in diesem Augenblick wahrnehme, das sage ich auch. Manche meinen dann, das sei eine allgemeine Aussage oder eine allgemeine Wahrheit. Das ist es eben nicht. Es ist eine Wahrnehmung von etwas, das im Augenblick so ans Licht kommt. Sie gilt für diesen Augenblick und ist in diesem Augenblick auch völlig einsichtig. Wenn ich das jetzt loslöse von der augenblicklichen Wahrnehmung und daraus eine Lehre mache, dann erscheint es dogmatisch.

Erkenntnis als Lebensvorgang

Sobald man bei Erkenntnisvorgängen auf ein Absolutes zusteuert, liegt man schief. Erkenntnis ist ein Lebensvorgang und dient dem Leben. Erkenntnis entsteht aus einer Interaktion mit etwas, das ich aber nicht als solches zu erfassen brauche. Ich erfasse das Ergebnis der Interaktion. Wenn sich zwei Personen dem gleichen Phänomen aussetzen und mit Bezug auf dieses Phänomen etwas erreichen wollen, kann man sehen, daß der eine mehr erreicht als der andere. Wenn das Erkannte nur theoretisch oder wunschgemäß konstruiert wäre, könnte ich nicht unterscheiden, welches Ergebnis mehr ist oder weniger.

Ganzheitliche Wahrnehmung

Die Sinnesorgane müssen bei dieser Arbeit offen sein. Aber darüber hinaus gibt es so etwas wie eine ganzheitliche Wahrnehmung. Sie wird möglich, indem ich allem einen Platz gebe, also nichts ausklammere. In der Familienaufstellung gebe ich jedem einen Platz in meinem Herzen, auch denen, die als böse dastehen oder als der Täter, oder vor denen andere Angst haben oder Ekel. Ich gebe auch ihnen einen Platz. Dann bin ich mit einer Ganzheit in Verbindung, ich erlebe das als eine Ganzheit.

Auch sehe ich einen Menschen immer als Teil eines größeren Ganzen. Wenn ich mit ihm therapeutisch arbeite, rede ich eigentlich nicht zu ihm als Person oder zu seinem Ich, sondern ich rede zu seiner Seele, dort wo er mit etwas Größerem verbunden ist. Das bewirkt dann viel mehr, als wenn ich mich auf das Vordergründige begrenze.





 
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Phänomenologische Therapie im Kontakt mit den Bewegungen der Seele.
© Dr.med. Josef Rabenbauer